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158. Jour Fixe der Stiftung ex oriente: Die Welt als gemeinschaftlicher Besitz. China zwischen Konfuzianismus, Marxismus und Demokratie
Die konfuzianische Tradition ist ca. 2.500 Jahre alt. Die Lehren des Konfuzius haben das Leben in China in vergleichbar nachhaltiger Weise geprägt wie in Europa die Lehren des Christentums. Der Konfuzianismus wirkte vor allem gestaltend auf die politische Struktur Chinas. Der Vortrag geht den wichtigsten diesbezüglichen Konzepten nach wie: „Volk als Basis“ (min ben), „Harmonie“ (he), „die Welt gehört allen gemeinschaftlich“ (tianxia wei gong), „bescheidener Wohlstand“ (xiaokang) etc. und erkundet Gemeinsamkeiten zum Marxismus chinesischer Prägung. Dabei wird deutlich, dass nicht nur Chinas vormodernes, sondern auch sein modernes Staatswesen als Meritokratie angesehen werden kann. Es werden die Fragen erörtert, wie kompatibel moderne westliche Demokratievorstellungen mit den traditionellen chinesischen Ordnungsvorstellungen sind bzw. ob oder in welchem Maße letztere noch eine Relevanz für die Lösung aktueller Probleme besitzen. Dabei wird deutlich, dass die Frage, ob eine Demokratie nach westlichem Muster für ein Land mit 1.400 Millionen zurzeit die beste Lösung für China ist, durchaus kontrovers beantwortet werden kann. Der Vortrag endet mit einem Ausblick auf die Zukunftschancen des gegenwärtigen „Modell China“: Möglicherweise wären sie nicht schlechter, wenn China sich auch an eigenen (konfuzianischen) Idealvorstellungen orientieren würde. Pragmatisch gesehen wäre es dabei durchaus möglich, die bestehende Meritokratie behutsam in rechtstaatlicher Weise auszubauen und somit politische Ordnungsvorstellungen sowohl chinesischer als auch westlicher Herkunft miteinander zu verbinden.
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Speakers

Prof. i.R. Dr. Karl-Heinz Pohl
Karl-Heinz Pohl, 1992-2010 Professor für Sinologie an der Universität Trier. Seit 2010 im Ruhestand. Arbeitsgebiete: chinesische Geistesgeschichte, Ethik und Ästhetik des modernen und vormodernen China, interkulturelle Kommunikation und Dialog zwischen China und dem Westen.